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Ein rastloses Leben

Meine Tage mit Leibniz. Eine Kolumne von Eberhard Knobloch

Gottfried Wilhelm Leibniz wuchs im Haushalt seiner Eltern mit seinem älteren Halbbruder Johann Friedrich und seiner jüngeren Schwester Anna Catharina auf. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater. Der hochbegabte Junge begann mit vierzehn Jahren das Studium an der Universität Leipzig. Bereits mit zwanzig Jahren wurde der geistige Überflieger zum Doktor beider Rechte an der Universität Altorf promoviert.

Die ihm angebotene Laufbahn als Universitätsprofessor schlug Leibniz jedoch aus. Sein Ziel blieb sein Leben lang, in den Dienst der Mächtigen zu treten, um als politischer Berater zum Wohle der Menschheit tätig zu sein — was ihn nicht hinderte, sich um angemessene Bezahlung in gehobenen Positionen zu bemühen.

Leibniz’ Lern- und Wissbegierde waren unbegrenzt. Er reiste viel und wo immer er sich aufhielt, suchte er den Gedankenaustausch mit den Gelehrten seiner Zeit. Er führte einen Briefwechsel mit weit mehr als tausend Partnern und sah im Briefeschreiben ein Charakteristikum seines Lebens. Im Dialog mit anderen konnte er am besten seine Ideen entwickeln. Kein Wunder, dass viele seiner Werke in dieser Form abgefasst sind, in bewusster Anlehnung an die platonischen Dialoge.

War kein Gesprächspartner zugegen, wandte Leibniz sich seinen Arbeiten, Ämtern und Verpflichtungen zu. Von 1676 bis an sein Lebensende war er Hofrat und Bibliothekar am Welfenhof in Hannover. Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel ebnete seinem Schützling die Wege zum deutschen Kaiser Leopold I. in Wien und zum russischen Zaren Peter dem Großen. Leibniz wurde Reichshofrat und russischer Justizrat. Als Präsident der Königlich-Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften in Berlin stand er auch im Dienst des Hohenzollern-Königs Friedrich I. In Hannover hatte er die Gunst der Kurfürstin Sophie, in Berlin die ihrer Tochter: der Königin Sophie Charlotte.

Leibniz hat nie geheiratet und keine Familie gegründet. Über romantische Gefühle zu Frauen ist nichts bekannt. Aber in Sophie Charlotte hatte er eine geistesverwandte Gesprächspartnerin, mit der er seine philosophischen Ideen erörterte. Der Tod der jungen Königin 1705 traf ihn im Innersten. Seinen Schmerz drückte er in einem langen, anrührenden Gedicht aus. »Wie? Lebt sie gar nicht mehr? Ist alles dann verschwunden, gleich wie der Rauch dahin, wie die verflossenen Stunden?«

Zur Person

Eberhard Knobloch widmet sich seit mehr als 40 Jahren Gottfried Wilhelm Leibniz. Seit 1976 leitet er verschiedene Reihen der Leibniz-Edition an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Kolumne "Meine Tage mit Leibniz"

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