Salafismus in Deutschland

Filmreihe

Die Furcht vor militanten Islamisten in Deutschland nimmt zu. Sechs kurze Videos bringen den Stand der Forschung auf den Punkt: Was wissen wir zurzeit über die Phänomene Salafismus und Dschihadismus in Deutschland? Wie werden junge Menschen angeworben? Was führt zu ihrer Radikalisierung bis hin zur Gewaltbereitschaft? Wie werden gewalttätige Aktionen gerechtfertigt? Und wie kann man diesen Prozessen vorbeugen? Die Filmreihe entstand im Forschungsprojekt „Salafismus in Deutschland“ des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.

1. Mit der zunehmenden politischen, medialen und gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für Salafismus und Dschihadismus in Deutschland wächst die Nachfrage nach belastbaren Daten zur Quantität und Qualität der salafistischen Bewegungen. Dies stellt vor allem eine Herausforderung für die empirische Forschung dar. Wie können zuverlässige Daten erhoben werden? Und wie werden bereits vorhandene Daten sinnvoll verwendet?


2. Salafistische Bewegungen traten in Deutschland erstmals in den Jahren 2003 und 2004 wahrnehmbar an die Öffentlichkeit. Seitdem haben sie eine anpassungsfähige Infrastruktur etabliert, um vor allem junge Menschen für ihre Ideen zu mobilisieren. Salafismus wird als Glaubens- und Weltanschauung in Vereinen, Moscheen, im Internet (vor allem in sozialen Netzwerken) aber auch in kleinen Gruppen und von Einzelpersonen praktiziert. Zudem betreiben seine Anhängerinnen und Anhänger einen regelrechten Personenkult um einzelne Prediger. Letztere pflegen untereinander eine flache Hierarchie und unterhalten enge Beziehungen.


3. Deutschland ist seit 2008 auch Herkunftsland von Dschihadisten. Warum jedoch schließen sich vor allem junge Frauen und Männer dschihadistischen Gruppen an? Was unterscheidet sie von nichtmilitanten Salafisten, und welche Bedingungen haben zu ihrer Radikalisierung bis hin zur Gewaltbereitschaft geführt?


4. Die Attraktivität von Salafismus und Dschihadismus beruht vor allem auf der Effektivität ihrer Rechtfertigungsnarrative, mit denen das eigene Denken und Handeln begründet wird. Dschihadistische Rechtfertigungsnarrative legitimieren vor allem gewalttätige Aktionen gegen vermeintliche Feinde des Islams, zu denen auch Muslime gezählt werden, die die eigene Ideologie nicht teilen. Das Spektrum der gewalttätigen Aktionen, die rechtfertigt werden, ist groß. Es reicht von Straßenschlachten mit der Polizei bis hin zu Anschlägen auf die Zivilbevölkerung oder die Teilnahme an kriegerischen Auseinandersetzungen.


5. Salafismus und Dschihadismus sind ihrem Wesen nach transnational, das heißt, sie überschreiten nationalstaatliche Grenzen. Nach Deutschland sind sie auf transnationalen Wegen gelangt, haben sich in der deutschen Gesellschaft verankert, in ihr weiterentwickelt und sind auch weiterhin grenzüberschreitend verknüpft. Deshalb können beide nicht allein aus nationaler Perspektive betrachtet werden. Die transnationalen Aspekte von Salafismus und Dschihadismus in Deutschland zeigen sich vor allem in der Rolle von Schlüsselfiguren, dem Gebrauch von Sprache(n) und der Bedeutung des Internets.


6. Um Radikalisierungsprozessen effektiv vorzubeugen und entgegenzuwirken, ist es wichtig, aus bestehenden Ansätzen und Erfahrungen der Präventions- und Deradikalisierungsarbeit zu lernen und diese systematisch weiterzuentwickeln.

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