Das Jahr beginnen

... mit Florian Schierhorn

"Die letzten Tage des Jahres, fast schon ungewohnte Ruhe kehrt ein. Ich bin nicht der Typ, der in dieser Zeit große Vorsätze entwickelt, denn wohl nur sehr wenige haben das Talent, über Nacht bessere Menschen zu werden. Allerdings ist das die Zeit des Jahres, in der ich mir Gedanken über meine private und berufliche Situation mache. Dann denke ich einerseits, dass ich als Jungwissenschaftler extrem privilegiert bin. Interessante und dringliche Forschungsthemen, flexible Arbeitsbedingungen an meinem Institut, ein Netzwerk bestückt mit intelligenten und sympathischen KollegInnen stechen hier heraus.

In den Weiten Kasachstans

Im Frühjahr etwa bin ich mit tollen Kollegen im Kleinbus durch die endlosen und wunderschönen Steppen Kasachstans gefahren, fest im Blick die Herausforderung, Landwirtschaft und Umweltschutz dort zu vereinbaren. Abends saßen wir alle gemeinsam in der Banja. Anderseits sehe und spüre auch ich die hinlänglich bekannten Probleme in der Wissenschaft. Den Mangel an entfristeten Stellen und die große Hürde hin zur Professur. Ich spüre die hohe Arbeitsbelastung, weil unsere Artikel einen immer höheren Impact haben sollten, weil der scheinbar perfekte Antrag auf Forschungsgelder manchmal nicht mehr gut genug ist. Dann denke ich, dass eine größere Wertschätzung der Wissenschaft seitens der Politik die Position vieler Wissenschaftler verbessern würde. Dass der Fokus auf das Wesentliche und weniger Mails, Spiegel Online und Twitter mein gefühltes Problem der hohen Arbeitsbelastung verkleinerte.

Wenn ich jedoch ehrlich bin, denke ich vor allem: Ich freue mich auf ein interessantes neues Jahr."

Zur Person

Florian Schierhorn ist Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien. Bei seiner Forschung treibt ihn vor allem die Frage um, wie die wachsende Weltbevölkerung umweltschonend ernährt werden kann.

Website von Florian Schierhorn beim Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO)

Mehr lesen

Interview mit Florian Schierhorn: "Ungenutzt nützlich: Russlands Brachflächen"

Top