Denkpause

Auf der Suche nach guten Ideen ...mit Johannes Hartig

"Kreativität ist bei meiner Forschungsarbeit immer dann gefragt, wenn wir auf Ergebnisse stoßen, die wir so nicht erwartet haben. Denn das wirft neue Fragen auf, denen wir auf den Grund gehen wollen. Dazu braucht es gute Ideen.  Im Augenblick befasse ich mich zum Beispiel damit, warum die Leistungen von Schulkindern während der Bearbeitung von PISA-Tests nachlassen. Intuitiv hätte ich sofort gedacht, dass bessere Schüler davon weniger betroffen sind.  Aber es zeigte sich, dass es eher umgekehrt ist: Sie haben weniger Durchhaltevermögen als ihre Mitschüler. Woran liegt das? Motivation? Müdigkeit? Um das zu beantworten, müssen wir jetzt den richtigen Ansatz finden.

Konzentriertes Nachdenken hilft mir in so einem Fall selten weiter. Irgendwann drehen sich die Gedanken nur noch im Kreis. Mit Kollegen kann man das Problem systematischer angehen, aber wirklich neue Einfälle habe ich meistens, wenn ich etwas ganz anderes mache. Das kann in der Bahn sein, beim Kochen oder unter der Dusche, überall, nur nicht im Büro. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mir eine wichtige Idee für meine Dissertation beim Schnorcheln gekommen ist.

Die wirklich wichtigen Einfälle kommen, wenn man an etwas ganz anderes denkt - etwa unter Wasser.

Hatte man erst einmal einen zündenden Gedanken, können die Untersuchungen und Auswertungen losgehen. Dabei kommt es dann eher auf Fleiß und Konzentration an. Auch da ist zwischendurch mal die Luft raus. Dem ist aber leichter beizukommen: Dann wende ich mich einfach einer weiteren Baustelle zu, beantworte E-Mails oder bereite eine Lehrveranstaltung vor."

Zur Person

Johannes Hartig ist Professor für „Educational Measurement“ am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und an der Goethe-Universität Frankfurt.

Profilseite von Johannes Hartig beim DIPF

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