Mein Weg in die Wissenschaft

… mit Natalie Loick-Wilde

Ich glaube, es gibt wenige Menschen, die ihren erfüllten beruflichen Werdegang einer Qualle verdanken. Als Sechsjährige fand ich am Strand ein faszinierend-fremdartiges Wesen: eine Ohrenqualle. Fortan waren unsere regelmäßigen Nordsee-Urlaube die Highlights meiner Jugend. Ich fieberte ihnen entgegen, um diesen fesselnden Naturraum aus Bewegung, Salz, Wasser und Wind wiederzusehen und immer wieder neue Meeresbewohner zu entdecken.

Bereits in der 5. Klasse äußerte ich den Berufswunsch „Meeresbiologin“. Hätte ich jedoch nicht während meines Austauschjahres in den USA in der 11. Klasse eine besonders engagierte Bio-Lehrerin gehabt – vermutlich wäre meine Freude an dem Fach Biologie im mittelmäßigen „Schulallerlei“ untergegangen. In den USA entdeckte ich durch Praktika auf Universitätsniveau auch erstmals meine Leidenschaft für Physiologie und Biochemie.

Es war dann ein glücklicher Zufall, dass ich im Studium für meine Diplomarbeit an einer Forschungsexpedition vor Namibia teilnehmen konnte. Das menschliche Klima an Bord der FRS Africana war hervorragend und ich stellte fest, dass mir der Typus „Wissenschaftler“ einfach liegt: Jeder hat eine eigene Forschungsfrage, die er mit Engagement und Leidenschaft verfolgt. Meiner ersten Expedition verdanke ich meinen Forschungsfokus Zooplankton, das Interesse für tropische Lebensräume und den gefestigten Wunsch, in der völkerverbindenden Welt der Wissenschaft Fuß zu fassen. Mit dieser starken Grundmotivation konnte ich spätere Hürden überwinden: Die Schwierigkeit, Finanzierung für die eigenen Forschungsfragen zu finden und sich nicht von Misserfolgen entmutigen zu lassen; die Herausforderung, Familie und Forschungsaufenthalte im Ausland zu vereinen; die Aufgabe, nicht nur am eigenen wissenschaftlichen Profil zu arbeiten, sondern Verantwortung für andere Menschen und Material zu übernehmen.

Neben der „Initial-Qualle“ und prägenden menschlichen Begegnungen gehörten deshalb auch Glück, Eigeninitiative und Durchhaltevermögen zu meinem Weg in die Wissenschaft. Heute verfolge ich mittels eines isotopenökologischen Ansatzes auf Molekülniveau die Frage: Wie überleben Zooplanktongemeinschaften schon heute unter Bedingungen, wie sie durch Klimawandel künftig für weite Bereiche der Ozeane typisch sein werden? Und kann ohne jeden Zweifel sagen: „Ich habe den besten Beruf der Welt.“

Ausblick vom Forschungsschiff Meteor

Zur Person

Natalie Loick-Wilde ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Die Expertin für Ökophysiologie und marines Zooplankton leitet dort die Nachwuchsgruppe Zooplankton Ökophysiologie.

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AG Zooplankton Ökophysiologie beim IOW

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