Warum tun Sie sich das an?

... mit Sandra Düpjan

Seit 11 Jahren steht das Hausschwein im Mittelpunkt meiner Forschung, wofür ich das Labor gegen den Schweinestall getauscht habe. Am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie untersuche ich, wie die Tiere miteinander akustisch kommunizieren, wie sie mit ihrer Umwelt interagieren, und wie es dabei um ihr Wohlbefinden bestellt ist.

Oft werde ich gefragt: Wie halten Sie diesen Gestank aus? Die einfache Antwort: Man gewöhnt sich dran. Was man (in gewissen Grenzen) tatsächlich tut. Meiner Meinung nach sollte die Frage aber lauten: Wie halten die Tiere das aus? Schweine haben immerhin sensiblere Nasen als wir.

Im vergangenen Jahr wurden über 59 Millionen Schweine in Deutschland geschlachtet. Diesen gegenüber haben wir als Gesellschaft, die auf den Konsum von Schweinefleisch nicht verzichten will, eine Verantwortung, die in §1 des Tierschutzgesetzes formuliert wird: „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen.“

Düpjan/FBN Was will uns dieses Schwein sagen? Einfach mal hinhören.

Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen wir wissenschaftlich fundierte Methoden entwickeln, um das Wohlbefinden zu messen und einzuschätzen. Ein Ansatzpunkt ist dabei, den Tieren zuzuhören. Denn bei Stress tun Schweine ihren Unmut oft lautstark kund. Neben bioakustischen kommen auch physiologische und kognitionspsychologische Methoden zum Einsatz, um Emotionen und Stimmungen zu erfassen. Damit wollen wir die Haltungsumwelt der Schweine aus deren Sicht verstehen, um sie sinnvoll zu verbessern.

Zur Person

Sandra Düpjan arbeitet am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf. Mehr über ihre Forschung mit Hausschweinen erzählt sie in diesem Film.

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