Wer oder was inspiriert(e) Sie?

... mit Sebastian Ferse

Obwohl ich viel Zeit unter Wasser verbringe und durch Korallenriffe tauche, gehöre ich nicht zu den Leuten, die Jacques Cousteau-Filme geguckt haben und davon inspiriert wurden. Es waren eher Heinz Sielmanns “Expeditionen ins Tierreich“ und Naturfilme im Allgemeinen, die ich als Kind spannend fand. Rüdiger Nehberg war auf jeden Fall eine Art Idol, der meine Abenteuerlust, das Interesse für ein Leben in und mit der Natur und für fremde Völker wie die Yanomami-Indianer im brasilianischen Regenwald geweckt hat.

Später waren es Leute wie Alfred Russel Wallace, der neben Charles Darwin die Evolutionstheorie aufgestellt hat, und der sehr viel in Indonesien unterwegs war. Wallaces Bücher habe ich gelesen, als ich das erste Mal für meine Masterarbeit in Südostasien war – also 150 Jahre nachdem die Werke erschienen sind. Seine Arbeiten haben mich total beeindruckt, weil Wallace noch einer dieser „Naturalists“, also der Naturphilosophen, war. Er hat zu allen möglichen wissenschaftlichen Disziplinen geforscht. Dieser breitgefächerte und neugierige Blick auf alles, wofür man wissenschaftliches Interesse entwickeln kann, das hat mich sehr fasziniert.

Malik Naumann, ZMT Nur ein Teil der Arbeit: Tauchen bei Manado in Nordsulawesi, Indonesien.

Meine heutige Forschungsarbeit spiegelt diese verschiedenen Einflüsse wieder. Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie ist interdisziplinär ausgerichtet. Zu meiner Arbeitsgruppe zählen nicht nur Meeresbiologen oder Riffökologen wie ich, sondern auch Sozialwissenschaftler. Mich interessieren die Biodiversität und Funktion tropischer Korallenriffe. Menschen sind ein integraler Teil des Ökosystems Korallenriff, und ihre Handlungen haben weitreichende Auswirkungen auf die Riffe weltweit. Ich muss mich also auch intensiv mit den Bewohnern der Küstenregionen beschäftigen. Der Kontakt etwa mit Fischern in abgelegenen Inseldörfern in Indonesien ist ein spannender und wichtiger Teil meiner Forschung. Die kulturelle Vielfalt und der enorme Bezug zum Meer, zum Beispiel im Pazifikraum, faszinieren mich. Ich hoffe, mit meiner Forschung einen Beitrag zu leisten zur Erhaltung dieses faszinierenden Ökosystems und zur Sicherung der Lebensgrundlage der Menschen, die von den Riffen abhängig sind.


Zur Person

Sebastian Ferse ist Leiter der Arbeitsgruppe „Nutzung, Resilienz und Diversität von Korallenriffen“ am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie. Mehr über ihn und seine Forschung erfährt man hier.

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