Wer oder was inspiriert(e) Sie?

... mit Christian von Soest

Es war reiner Zufall, dass ich für mein Auslandssemester in Südafrika in dem Städtchen Pietermaritzburg landete. Im Sommer stand noch eine Prüfung an der Universität in München an und so schaffte ich es nicht zum Beginn des Sommersemesters der bekannteren südafrikanischen Hochschulen. Mein halbes Jahr an der University of Natal (heute University of KwaZulu-Natal) entpuppte sich jedoch als Glücksfall, der mich persönlich und meinen weiteren Weg als Politikwissenschaftler geprägt hat.

Pietermaritzburg liegt im Osten Südafrikas zwischen der spektakulären Gebirgskette Drakensberge und der pulsierenden Hafenstadt Durban. Entscheidend war allerdings etwas anderes. Als ich in der Stadt ankam, wusste ich nicht, dass Pietermaritzburg Schauplatz zweier Ereignisse war, die in Südafrika zum Symbol für staatliche Willkür und Rassismus während und vor der Apartheidzeit geworden sind.

Auf einer einsamen Landstraße vor der Stadt nahmen Polizisten am 5. August 1962 nach langer Fahndung Nelson Mandela fest. Schon damals war Mandela ein prominenter Anführer des Widerstands gegen den Apartheidstaat. Er musste daraufhin 27 Jahre seines Lebens auf der Gefängnisinsel Robben Island und in anderen Haftanstalten verbringen und wurde das Gesicht des weltweiten Protests („Free Mandela“) gegen den Apartheidstaat. Im Jahr 1994 wurde Nelson Mandela als Friedensnobelpreisträger erster freigewählter Präsident aller Südafrikaner.

Eine Nacht am Bahnhof veränderte die Weltgeschichte: Gandhi-Statue in Pietermaritzburg.

Viele Jahre zuvor, am 7. Juni 1893, beschwerte sich ein weißer Mann über die Anwesenheit des jungen Mahatma Gandhi in der ersten Klasse eines Zuges nach Pretoria. Als Mahatma Gandhi sich weigerte, zu gehen, wurde er in Pietermaritzburg aus dem Zug geworfen, obwohl er ein Erste-Klasse-Ticket besaß. Angeblich entschied er in dieser kalten Nacht, die er im Bahnhofsgebäude der Stadt verbringen musste, gegen die rassistische Diskriminierung von Indern in Südafrika – von denen viele auf Zuckerrohrplantagen schuften mussten – zu kämpfen. Aus diesen Erfahrungen entwickelte er seine weltweit bekannt gewordene Form des gewaltlosen Widerstands.

Die Nähe zu diesen beiden Ereignissen in Pietermaritzburg zog mich geradezu zur Beschäftigung mit Forschungsthemen, die mich bis heute umtreiben: die Ursachen staatlicher Willkür und wie diese von innen aber auch von außen bekämpft werden können.

Zur Person

Christian von Soest ist Leiter des Forschungsschwerpunktes Frieden und Sicherheit am GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg.

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