Wer oder was inspiriert(e) Sie?

Großgeworden bin ich im niedersächsischen Wald. Meine Großväter waren Förster, mein Vater auch. Unser Haus war eines von dreien in der Siedlung, der nächste Nachbar wohnte knapp einen Kilometer entfernt. Der Schulbusfahrer hat immer geflucht, wenn er nur wegen der Försterkinder so einen Umweg fahren musste. Ich aber mochte die viele Natur. Das blieb auch so, als wir wegzogen.

Nach der Schule habe ich meinen Zivildienst in der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer verbracht. Dort haben wir unter anderem Vögel gezählt, aber interessanter fand ich das Ökosystem, das ihnen und den Menschen dort Heimat gab. Trotzdem wusste ich als Student lange nicht, in welche Richtung ich beruflich gehen sollte. Und es war auch Zufall dabei, dass ich dann in einem Doktorandenprogramm für Earth System Modelling gelandet bin. Aber das passte dann – denn bei den Computersimulationen zum Wechselspiel von Atmosphäre, Ozean und Landmassen ist die menschliche Nutzung der Natur sehr wichtig.

Heute baue ich am Computer landwirtschaftliche Systeme in Form von Daten und Gleichungen in ein globales Simulationsmodell ein, dann können wir durchspielen, was bei Veränderungen passiert. Wenn zum Beispiel die weltweite Mitteltemperatur steigt, weil die Menschheit weiter Kohle und Öl verfeuert und damit Treibhausgase ausstößt, dann nimmt vielleicht in Sibirien die Weizenproduktion zu, weil es dann dort weniger kalt ist. Den Ländern Afrikas nützt das aber wenig, denn dort sind dann die Ernten in Gefahr und diese Staaten können nicht einfach auf dem Weltmarkt Lebensmittel zukaufen. 

Tief verwurzelt: Die Liebe zur Natur.

In der Natur bin ich durch meine Arbeit eigentlich nie, aber das Programmieren macht mir Spaß, das Team ist super und unsere Forschungsfragen betreffen die Zukunft der Menschheit. Das Thema Natur ist aber geblieben, denn die Landwirtschaft produziert ja nicht nur Nahrungsmittel, sondern beansprucht weltweit sehr große Flächen und führt häufig zum Ausstoß von Treibhausgasen und anderen Schadstoffen.

Der Begriff der Nachhaltigkeit soll ja aus der Forstwirtschaft kommen, weil dort über Jahrzehnte geplant wird: Bäume wachsen langsam. Bei meinen Großvätern und meinem Vater, den Förstern, habe ich den Begriff nie gehört. Aber genau dieser Gedanke der Nachhaltigkeit, für Mensch und Natur, steht bei meiner Arbeit im Mittelpunkt. Wenn man im Wald aufwächst, ist die Idee der Nachhaltigkeit vielleicht schon von Anfang an in Herz und Hirn verwurzelt. 

Zur Person

Christoph Müller ist Leiter der Forschungsgruppe MusiX: Multi-sector impacts and climate eXtremes am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Mehr zu ihm und seiner Forschung erfährt man auf seiner Profilseite.

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