Mein Traum

... mit Kathrin Ohla

Ich untersuche, wie Menschen Nahrung wahrnehmen (schmecken, riechen oder sehen) und im Gehirn abbilden. Vor allem interessiere ich mich für die grundlegenden Mechanismen, frage also: Wie funktioniert das? Warum führt dieser Reiz zu jener Reaktion? Natürlich ist Grundlagenforschung nicht immer sexy für die Medien. Während meiner Zeit in der Industrie habe ich zum Glück aber gelernt, immer auch zu fragen, wie man die Ergebnisse anwenden kann. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich untersuche unter anderem, inwieweit wir die Wahrnehmung beeinflussen können, indem wir den Kontext manipulieren und zum Beispiel verschiedene Düfte oder Wörter zusammen mit Geschmack präsentieren. Dabei versuche ich Wege zu finden, den Geschmack intensiver erlebbar zu machen und damit die wissenschaftliche Basis zur Reduktion von Salz, Zucker oder Fett in Lebensmitteln zu liefern. Oder aber Menschen, die nicht mehr so gut schmecken können, zu einem intensiveren Geschmackserlebnis zu verhelfen.

Broccoli - nicht gerade die Lieblingsspeise von Kindern. Kathrin Ohla will das ändern.

Andererseits geht es mir darum, die emotionale Seite der Nahrungswahrnehmung zu verstehen und gezielt zu beeinflussen. Auf diese Weise möchte ich gesunde Lebensmittel attraktiver machen und Menschen bei einer gesünderen Lebensweise unterstützen. Vielleicht lieben dann alle Kinder bald Brokkoli und Spinat. Davon träume ich. Träume müssen etwas verrückt und mutig sein, oder?

Leider motiviert das Forschungssystem gerade junge Forscher nicht besonders, sich auch Bereichen außerhalb ihres direkten Themas zu widmen. Das finde ich bedauerlich. Meine Arbeit zum Beispiel erfordert Interesse an Kunst und Kulinarik (zur geistigen Anregung), an anderen Disziplinen wie Biologie, Genetik oder Ernährungsforschung (zum Austausch und zur Richtungsweisung) und an Technik und Technologien (zur Umsetzung der Experimente). Wer sich ständig fragt, ob und wo er im nächsten Jahr arbeiten wird oder ob er die erforderlichen Publikationen zur Promotion erbringen kann, agiert weniger kreativ und mutig. Kreativität und Mut, etwas auszuprobieren (und dabei auch mal zu versagen), sind für mich aber untrennbar mit dem Forschergeist verbunden.

Zur Person

Kathrin Ohla ist Nachwuchsgruppenleiterin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Bevor die Psychologin 2012 nach Potsdam kam, um die Nachwuchsgruppe „Psychophysiologie der Nahrungswahrnehmung“ aufzubauen, promovierte sie in Leipzig und forschte fünf Jahre im Ausland in Lausanne beim Nestlé-Forschungszentrum und in Philadelphia beim Monell Chemical Senses Center.

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