Mein Traum

... mit Janina Pawelz

Mein Traum ist, dass Ergebnisse von vergleichenden Studien gezielt eingesetzt werden, um Prävention zu ermöglichen. Ein intensiver Austausch zwischen Forschung und Entwicklungszusammenarbeit kann das ermöglichen. Meine Forschungsergebnisse zeigen, dass es in Ländern unterschiedlicher Regionen und Kulturkreise trotz aller Unterschiede viele Gemeinsamkeiten gibt.

In meinem Dissertationsprojekt habe ich das karibische Trinidad und Tobago, das Land mit der sechsthöchsten Mordrate weltweit, mit Timor-Leste, einem jungen südostasiatischen Inselstaat, verglichen. In beiden Ländern gibt es gewaltbereite Gruppen. Ihr Einfluss auf die Bevölkerung, ihre politische und ökonomische Macht und ihr Bedrohungspotenzial können sich verschärfen oder auch abmildern. In einigen Fällen bilden diese Gruppen Parallelstrukturen zum Staat und können zu einer Hauptursache für Angst und Unsicherheit werden.

Deshalb stellte sich mir die Frage, welche Faktoren zu einer Verschärfung oder Abmilderung der Bedeutung der Gruppen beitragen. Ich konnte zeigen, dass eine Kombination von verschiedenen politischen, sozialen und ökonomischen Einflussfaktoren verantwortlich ist. Viele Faktoren, die in Trinidad und Tobago relevant für die Transformation von gewaltbereiten Gruppen sind, habe ich auch in Timor-Leste gefunden, jedoch noch nicht so stark ausgeprägt. Eine Rolle spielen etwa die extremen sozialen Ungleichheiten in ölabhängigen Ländern, gepaart mit einer nicht-diversifizierten Wirtschaft. Außerdem korrupte Politiker, die gewaltbereite Gruppen als Stimmenfänger brauchen, und Gruppenmitglieder, die erkennen, welche Macht sie durch Gewaltandrohungen erlangen können.

Ob Karibik oder Südostasien: Die Lebenswelten von Jugendlichen haben viel gemeinsam.

Timor-Leste steht in den Startlöchern, den gleichen Weg wie Trinidad und Tobago einzuschlagen. Dann wird es auch dort in zwanzig Jahren eine Parallelstruktur geben, in der gewaltbereite Gruppen regieren. Noch kann das junge Land die Weichen anders stellen. Genau hier liegt das Potenzial von vergleichenden Studien: Durch sie könnten politische Entscheidungsträger, die Entwicklungszusammenarbeit und internationale Organisationen die Stellschrauben erkennen, mit denen sie Veränderungen schaffen und gemeinsam an einer friedlicheren Welt arbeiten können, der besten der möglichen Welten.

Zur Person

Janina Pawelz hat am GIGA German Institute of Global and Area Studies promoviert. Sie ist derzeit als Consultant für ein Jugendprojekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Timor-Leste tätig. Über ihre Forschung in Trinidad und Tobago und Timor-Leste erzählt sie hier.

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