Wie sehen Sie denn aus?

… mit Honey Alas

Auf meinem Rücken trage ich eine mobile Messstation: Im "Tropos Aerosol Rucksack" verbergen sich Instrumente, mit denen ich die Konzentration von kleinsten Partikeln, genannt „Aerosole“, in unterschiedlichen Umgebungen messen kann. Mein Fokus liegt auf Ruß. Ruß ist gesundheitsschädlich, daher ist es sehr wichtig, zu wissen, woher er stammt und wie das Wetter und der Straßenverkehr die Rußkonzentration beeinflussen. Durch ein dünnes Stahlrohr am Rucksack strömt Luft zu den einzelnen Messgeräten. Es ist sehr empfindlich und man sollte daher nicht unter tiefhängenden Ästen herumlaufen – aber dieses Problem habe ich mit meiner Körpergröße eher weniger… im Vergleich zu einigen meiner Kollegen.

Der Rucksack wiegt 8,5 Kilogramm. Ein Messlauf dauert eine Stunde – und kann beliebig oft wiederholt werden. Das ist manchmal recht anstrengend, besonders, wenn es im Sommer sehr warm oder im Winter sehr kalt ist. Ich versuche, meinen Rücken mit Dehnübungen zu schützen und schwöre auf Turnschuhe. Nach einer besonders intensiven Laufrunde in Dresden, bei der ich insgesamt 40 Kilometer zurückgelegt habe, musste ich trotzdem eine Weile pausieren.

Schön ist es, wenn wir zu zweit losziehen, denn bei den Touren lernt man einander gut kennen, kann Neuigkeiten austauschen und sich beim Tragen des Rucksacks abwechseln. Wir haben feste Routen in Leipzig und Dresden. In Leipzig konzentrieren wir uns auf die Lützner Straße – wegen der hohen Rußkonzentration, die hier teilweise die Grenzwerte überschreitet. Während wir laufen, machen wir uns Notizen über die Umgebung. Zum Beispiel über Baustellen, die besonders viel Staub produzieren, über Verkehrsstaus und Umleitungen. Manchmal machen wir auch Fotos, um dies zu dokumentieren. Meistens sind wir aber damit beschäftigt, nicht von Autos, Fahrrädern oder Straßenbahnen umgefahren zu werden.

Tobias Kruse/Ostkreuz Das Innenleben des »Tropos Aerosol Rucksacks«

Unser Rucksack sorgt für interessante Begegnungen. Manchmal höre ich Leute "Ghostbusters!" rufen. Viele fragen mich, was ich denn da mache. Ein Passant dachte, der Rucksack wäre ein riesiges Radio. Ein paar älteren Leuten musste ich meine Erklärung des Rucksacks pantomimisch vorspielen, da ich noch nicht so gut deutsch spreche. So ermüdend es sein mag, immer wieder dieselben Routen abzulaufen (die Graffitis auf den Wänden kenne ich bereits in- und auswendig): Das Interesse an diesem einfachen Gerät, das uns so wertvolle Informationen über die Qualität unserer Luft liefert, zeigt mir, dass unsere Arbeit wichtig ist. Außerdem ist es wirklich gutes Training!

Zur Person

Honey Alas ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am TROPOS – Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. In der Arbeitsgruppe „Troposphärisches Aerosol“ erforscht sie den Einfluss der Luftqualität auf den Klimawandel.

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