Welches spannende Projekt verfolgen Sie als Doktorand?

... mit Andreas Berghänel

Mit einer Gruppe wildlebendener Affen täglich gemeinsam durch ihren Wald zu streifen, fernab aller Zivilisation, und dabei alle Erlebnisse mit ihnen zu teilen, komme Regen(zeit), Sonnenschein oder Tiger – dieser langgehegte Traum ging während meiner Doktorarbeit im bergigen Dschungel Nordthailands in Erfüllung. Er wurde sogar noch überboten, weil ich mich ganz meiner Forschung zur Entwicklung der kleinen Affenkinder widmen konnte, von der Geburt über ihre ersten Geh- und Kletterversuche bis in ihre Jugendphase. Die Knirpse waren natürlich oft auch eine nervenaufreibende Herausforderung, insbesondere, da ich ihr Verhalten und ihre motorischen Fähigkeiten genau protokollieren und ihr Wachstum anhand von unzähligen Fotos ermitteln musste. Und zugegeben, wenn man mitten im Dschungel plötzlich direkt vor einem wütenden Elephanten, Bären oder einer Königskobra steht oder von Hornissen und Blutegeln attackiert wird, dann ist das nicht immer nur romantisch. Aber immer ein bleibendes Erlebnis.

Ein paar kleine Unannehmlichkeiten nimmt man für seinen Lebenstraum natürlich gern in Kauf, zumal, wenn man auf dem Weg ist, einige fundamentale Fragen in Bezug auf die Kinderentwicklung zu erforschen: Welche Rolle spielt das körperliche Spielen in der frühen Entwicklung, und wie konnte sich ein so energieraubendes, risikoreiches und augenscheinlich unnützes Verhalten in der Evolution so vieler Arten behaupten? Und wie wirkt sich vorgeburtlicher Stress auf die Entwicklung aus?

Unser aktuelles Verständnis der frühen Kindesentwicklung und deren Folgen für das spätere Leben ist immer noch geprägt von weitverbreiteten, aber ungeprüften Annahmen. Dies liegt auch daran, dass sich viele Fragen aus ethischen Gründen nur sehr eingeschränkt am Menschen untersuchen lassen. Der Mensch entwickelt sich heute kaum noch unter natürlichen Bedingungen, und viele pathologische Erscheinungen werden zum Beispiel mangelnder Bewegung und unausgewogener Ernährung zugeschrieben. Die Erforschung der frühen Entwicklung bei unseren nächsten Verwandten unter natürlichen Bedingungen und im Rahmen eines Langzeitforschungsprojektes ermöglicht somit fundamentale neue Fragestellungen, die auf anderen Wegen kaum oder gar nicht erforschbar sind.

Andreas Berghänel Spielende Assammakakenkinder

So konnte ich zum ersten Mal zeigen, dass körperlich aktives Spielen bei wildlebenden Affenjungtieren zwar die motorische Entwicklung fördert, dabei aber auf Kosten des körperlichen Wachstums geht. Dies unterstreicht wiederum die große Bedeutung, die Spielen in der Kindesentwicklung einnehmen muss, da ein verlangsamtes Wachstum meist mit einer verspäteten Geschlechtsreife und damit, aus evolutionärer Sicht, Fitnesseinbußen einhergeht. Mit diesen Erkenntnissen aus meiner Doktorarbeit kann ich mich nun als Nächstes der Erforschung der langfristigen Konsequenzen über die gesamte Lebensspanne der Affen widmen.

Zur Person

Das Promotionsprojekt von Andreas Berghänel ist eine Kooperation zwischen der Universität Göttingen und dem Deutschen Primatenzentrum - Leibniz-Institut für Primatenforschung. In der Forschungsstation im Phu Khieo Wildlife Sanctuary in Thailand untersuchte er die Entwicklung junger Assammakaken und den Einfluss von vorgeburtlichem Stress auf diese Entwicklung. Aktuell erforscht er die langfristigen Konsequenzen dieser Effekte bei wildlebenden Schimpansen an der Universität von New Mexico.

Video zur Forschung von Andreas Berghänel

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