Hinaus in die weite Welt

... mit Constance Reif

Hunger- und Fehlernährung zählen noch immer zu den größten gesellschaftlichen Herausforderungen. Als Ernährungswissenschaftlerin liegt mir die Verbesserung der Situation im ländlichen Afrika besonders am Herzen. In unserem Ernährungssicherungsprojekt in Tansania versuchen wir die Versorgung der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern. Drei Jahre lang begleiten wir die Bewohner von je zwei Dörfern in den Regionen Morogoro und Dodoma. Genderaspekte spielen hierbei eine große Rolle, denn Frauen tragen meist die Verantwortung für die Versorgung innerhalb der Familie. Männer hingegen entscheiden, wie die Agrarflächen genutzt werden und wie das erwirtschaftete Geld ausgegeben wird.

Die Ernährung ist oft sehr monoton und besteht aus stärkehaltigen Produkten wie Mais, Hirse und Reis. Nur während der Regenzeit gibt es grünblättriges Gemüse. Manchmal führen schon einfache Dinge zu einer Verbesserung. Küchengärten beispielsweise ermöglichen es, ganzjährig nährstoffreiches Gemüse und Obst anzubauen. Dazu werden Plastiksäcke mit einer Mischung aus normaler Erde, Tierkot und Sand gefüllt. Das spart Wasser, und die Frauen – die normalerweise kein Land besitzen – können einfach und effizient Gemüse und Obst für die eigene Familie produzieren. Meistens wohnen wir nicht im Dorf, sondern in Gästehäusern, aber wenn wir in den Versuchsdörfern arbeiten, essen wir auch dort. Am liebsten esse ich Reis mit roten Bohnen und grünem afrikanischem Blattgemüse. Es ist ein sehr klassisches Essen und so gut wie in diesen Dörfern habe ich es anderswo noch nie gegessen.

@Constance Reif Küchengärten wie dieser ermöglichen den Bewohnern Tansanias, ganzjährig Gemüse und Obst anzubauen.

Wir arbeiten sehr intensiv mit der lokalen Bevölkerung. Zuerst diskutieren wir, welche Probleme es gibt. Dann testen wir gemeinsam verschiedene Möglichkeiten. Durchgehend finden verschiedene Workshops und Schulungen zum Thema Anbau, Ernährung und Verarbeitung von Lebensmitteln statt. Unser Projekt legt den Fokus auf Frauen und Kinder, denn sie sind meist die Leidtragenden in ernährungsunsicheren Situationen. Außerdem spielt der Bildungsstatus eine Schlüsselfunktion bei der Versorgung ihrer Familien. Gemeinsam erarbeiten wir, auf welche Besonderheiten sie etwa bei der Ernährung von Kindern oder während der Schwangerschaft achten sollten und durch welche Verarbeitungstechniken Nährstoffverluste minimiert werden können. Durch diese gebündelten Maßnahmen hoffen wir, den Ernährungsstatus der Menschen zu verbessern und die positiven Resultate weiter verbreiten zu können.

Zur Person

Constance Reif ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. Dort arbeitet sie am Institut für Sozioökonomie und koordiniert das Ernährungssicherungsprojekt „Scale-N“.

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