Wer oder was inspiriert(e) Sie?

... mit Cristina Chiappini

Wenn ich daran zurückdenke, was mich als Kind von acht oder zehn Jahren dazu inspiriert hat, zum ersten Mal über das Weltall nachzudenken, dann waren es die Geschichten über die Azteken, die Maya und die Inka, die wir in der Schule in Sao Paulo durchnahmen. Schon lange vor der Ankunft der Europäer in Amerika beobachteten sie den Himmel und stellten sich Fragen über unser Universum. Später, als wir dann mehr über die eingeborenen Völker Brasiliens lernten, die „Indios“ und ihre Geschichten über die Sonne, den Mond, die Nacht und den Regen, da erschienen mir diese Geschichten nicht nur schön und phantasievoll. Ich fing auch an, ein Gespür dafür zu bekommen, dass die Art, wie wir das Universum begreifen, wesentlich davon geprägt ist, wie viel wir darüber wissen.

Später fand ich einen Satz von Albert Einstein, der dieses Gefühl sehr gut in Worte gefasst hat: „Was der Mensch nicht weiß, existiert für ihn nicht. Deshalb schrumpft das Universum immer auf die Größe dessen, was wir Menschen darüber wissen.“ Bis heute inspiriert mich diese Einsicht. Damals war ich 14 Jahre alt und solche Gedanken brachten mich dazu, die Schule anders anzugehen als bisher. Statt mich auf Fächer zu konzentrieren, die mir leicht fielen, suchte ich mir genau die Themen aus, mit denen ich Schwierigkeiten hatte. Ich mochte Geschichte, Archäologie und Chemie, aber ich kämpfte mit Physik. Doch dann bekamen wir einen sehr guten Lehrer, der einen Extrakurs am Nachmittag anbot, in dem wir Physik auf Astronomie anwendeten. Das war wie eine Erleuchtung für mich! Wir machten einen Schulausflug zum Monte Verde, einem Ort außerhalb des Lichtermeeres von Sao Paulo. Dort schauten wir einfach in den Abendhimmel. So viele Sterne! An diesem Tag wurde mir klar, dass mich nichts davon abhalten  würde, meinen Weg zu gehen und mehr über das Universum zu lernen.

Ashim DSilva Inka-Festung in Peru. Darüber das Universum, das schon die frühen Hochkulturen faszinierte.

Heute erforsche ich die chemische Entwicklung von Galaxien, vor allem der Milchstraße. Mithilfe der chemischen Elemente versuche ich die Geschichte unserer Galaxie zu rekonstruieren. Interessanterweise heißt dieses Feld heutzutage „Galaktische Archäologie“. Da bin ich nun, betreibe Chemie und Archäologie des Universums. Seit 2010 am Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam. Und in meiner Freizeit wecke ich jetzt die Neugier meiner Tochter - vor allem am Meer, mit viel Sonnenschein und klaren dunklen Nächten.

Zur Person

Cristina Chiappini ist Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Astrophysik. Mehr über ihr Forschungsprofil erfährt man auf der Plattform für exzellente Wissenschaftlerinnen, AcademiaNet.

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