Mitwelt

Männlich, älter, hochvermögend

01.11.2016

Reiche in Deutschland — wer sind sie, woher stammt ihr Besitz? Und wie zufrieden sind sie mit ihrem Leben? In einer neuen Studie beleuchtet der Wirtschaftsexperte Markus M. Grabka die noch wenig erforschte Lebenssituation von Hochvermögenden.

Herr Grabka, Sie haben die Lebenssituation hochvermögender Haushalte untersucht. Was interessierte sie daran?

Über diese Gruppe in Deutschland wissen wir kaum etwas. Es gibt zwar eine Vorgängerstudie eines Kollegen der Universität Potsdam, der Personen mit einem Vermögen ab 250.000 Euro betrachtet hat, aber über Millionäre oder Multimillionäre weiß man in Deutschland herzlich wenig.

Wie reich muss man sein, um in Ihrer Studie als hochvermögend zu gelten?

Nach unserer Definition musste ein Haushalt zum Zeitpunkt Ende 2014 über ein frei verfügbares Geldvermögen von mindestens einer Million Euro verfügen.

Woher stammt das Geld der von Ihnen untersuchten Personen?

Das ist der Kernbefund unserer Untersuchung. Wir wollten wissen, wie diese Personengruppe vermögend geworden ist. Wenn man sie nach den relevanten Gründen fragt, haben über zwei Drittel der Befragten angegeben, dass dies auf eine Erbschaft oder Schenkung zurückzuführen war.

Reiche in Deutschland - was charakterisiert sie?

Typischerweise ist ein Hochvermögender in Deutschland, zumindest aus der Gruppe, die wir analysiert haben, eine männliche Person, die im höheren Lebensalter in Westdeutschland lebt und einen höheren Bildungsabschluss hat. Typischerweise sind dies auch Unternehmer beziehungsweise Selbständige. Natürlich finden wir auch relativ viele Personen, die sich bereits im Ruhestand befinden und sich selbst als Rentiers auffassen, die nur auf Grundlage ihrer Vermögenseinkommen leben.

Was verdient man als Hochvermögender?

Erwartungsgemäß verfügen Hochvermögende auch über ein hohes Einkommen. Im Durchschnitt verfügt diese Gruppe über mehr als 14.000 Euro Einkommen pro Monat.

Sind die Ergebnisse repräsentativ?

Nein, weil keine zufällige Auswahl von Haushalten stattgefunden hat. Da es in Deutschland keine belastbare Registerdatenquelle gibt, um entsprechende Adressen zu beziehen, konnte ein Befragungsinstitut nur Haushalte zu dieser Befragung überzeugen, bei denen aufgrund von vorhergehenden Untersuchungen bekannt war, dass sie vermögend sind.

Was ist für Sie das überraschendste Ergebnis ihrer Studie?

Der wichtigste Befund war eindeutig die Art und Weise, wie diese Personen wohlhabend geworden sind, dass also neben der eigenen Unternehmertätigkeit Erbschaften und Schenkungen die primäre Rolle spielen. Es fiel auch auf, dass überdurchschnittlich häufig Frauen berichtet haben, dass sie durch eine Heirat wohlhabend geworden sind.

Unterscheiden sich die Hochvermögenden nur durch ihren Reichtum oder auch in anderen Dingen vom Durchschnitt?

Wir haben auch nach der Lebenszufriedenheit dieser Personengruppe gefragt. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass Hochvermögende tendenziell eine höhere Lebenszufriedenheit haben als die durchschnittliche Bevölkerung.

Das Gespräch führte Erich Wittenberg.

Mehr lesen

DIW Wochenbericht 42/16: Hochvermögende in Deutschland (PDF)

Zur Person

Dr. Markus M. Grabka ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Infrastruktureinrichtung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin.

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