Umwelt

"Tausende Tiere werden überfahren"

26.07.2016

Gelbbauchunken? Feuersalamander? Alexander Meurer von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde erklärt, wo wir die Amphibien beobachten können. Und warum in Deutschland immer weniger wechselwarme Tiere leben.

 

Leibniz: Herr Meurer, in Deutschland gibt es Frösche, Schildkröten, Schlangen und Lurche. Woran erkenne ich, ob ich ein Reptil oder eine Amphibie vor mir habe?

Alexander Meurer: Amphibien sind auf einen feuchten Lebensraum mit Wasser angewiesen. Sie atmen durch die Haut und würden ohne Wasser schnell austrocken. Reptilien – dazu zählen zum Beispiel Schlangen und Schildkröten – haben eine feste, beschuppte Haut, die sie sehr gut vor Verdunstung schützt. Sie können also auch ohne Wasser als Lebensraum auskommen. 

Für eine erfolgreiche Amphibiensuche gehe ich also am besten an Teiche und Flüsse.

Oder an Moore und Kleingewässer. Auch bei Regen kommen Amphibien gerne aus ihren Verstecken, dann sieht man – vor allem nachts – vermehrt Frösche und Lurche auf den Wegen. Reptilien sonnen sich dagegen gerne auf warmen Steinen und Mauern.

Wie viele Reptilien- und Amphibienarten gibt es in Deutschland?

Über 30 einheimische und ein paar wenige eingeschleppte Arten. Dazu zählen etwa der amerikanische Ochsenfrosch oder die Rotwangen-Schmuckschildkröte aus Nordamerika.

Wo in Deutschland leben Reptilien und Amphibien?

Grasfrosch, Teichmolch und Zauneidechse etwa kann man in der gesamten Bundesrepublik entdecken. Der Feuersalamander gilt in Baden-Württemberg und Bayern als gefährdet, in der Roten Liste der gesamten Bundesrepublik aber noch als ungefährdet. Und manche Arten wie die Rotbauchunke sind eher in Nordostdeutschland ansässig, während andere wie die Gelbbauchunke im Westen und Süden leben.

Pixabay Im Süden gefährdet: Der Feuersalamander.

Sie haben die Verbreitungsgebiete der verschiedenen Arten zusammengetragen.

Der Online-Atlas der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) zeigt die Verbreitungsgebiete und Häufigkeit der Tiere. Dafür hat die DGHT etwa 600.000 Datensätze ausgewertet. Eine erschreckende Erkenntnis dieser Analyse ist, dass alle Populationen zurückgehen.

Woran liegt das?

Wir Menschen zerstören den Lebensraum der Tiere. Die natürlichen Laichgewässer werden trocken gelegt und die Wälder beackert. Besonders gefährlich sind die asphaltierten Straßen: Jedes Jahr werden tausende Tiere überfahren.

Kinder tragen Regenwürmer, Echsen und Frösche ja häufig über die Straße. Sollte man das tun?

Es würde auf jeden Fall dabei helfen, wenigstens ein paar Tiere zu retten. Man sollte dabei darauf achten, dass man die Tiere in die Richtung trägt, in die sie auch tatsächlich kriechen wollten. Um Reptilien und Amphibien dauerhaft schützen zu können, müssen wir jedoch noch stärker auf die Umwelt achten. Weniger Autos, weniger Müll und mehr naturbelassene Gebiete sind hierfür die Lösung. 

Alexander Meurer

Zur Person

Alexander Meurer ist Vizepräsident für Terraristik der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT). Er ist einer von sieben ehrenamtlichen Artenkennern, die auf der Konferenz der Arten ihre Spezies vorstellten.

Mehr lesen

Online-Verbreitungsatlas einheimischer Reptilien und Amphibien der DGHT.

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