Innenwelt

Tierversuche verstehen

06.09.2016

Eine neue Informationsinitiative der Allianz der Wissenschaftsorganisationen will mit Daten, Fakten und Hintergrundmaterial zu einer sachlichen Diskussion über das Thema Tierversuche und Forschung beitragen. Leibniz hat mit dem Vorsitzenden der Steuerungsgruppe, Stefan Treue, gesprochen.

Leibniz: Herr Treue, heute startet die Informationsinitiative der Allianz der Wissenschaftsorganisationen zum Thema Tierversuche. Was war der Anstoß dazu?

Stefan Treue: Wir sehen es als unsere Aufgabe, über unsere Forschung zu informieren. Mit der Initiative laden wir die Öffentlichkeit ein, sich mit dem Thema Tierversuche in der Wissenschaft auseinandersetzen. Die Diskussion darüber ist wichtig, wird aber zum Teil sehr emotional geführt. Wir wollen eine sachliche Auseinandersetzung anstoßen, indem wir kontinuierlich Informationen zur Verfügung stellen und damit jedem die Möglichkeit geben, faktenbasiert über dieses Thema zu debattieren.

Wie sieht das Projekt aus?

Der zentrale Baustein der Initiative ist eine Webseite, auf der wir Informationsmaterial anbieten. Es gibt Faktensammlungen, Interviews mit Wissenschaftlern, Reportagen über laufende Projekte, Grafiken, Fotos und Videos. Mit unserem Twitter-Account und einem Youtube-Kanal sind wir auch in den sozialen Netzwerken vertreten, können damit alle relevanten Informationen über verschiedenste Medien zur Verfügung stellen und auf aktuelle Ereignisse schnell reagieren.

Das Projekt informiert also hauptsächlich online?

Es gibt auch eine Expertendatenbank, über die wir Wissenschaftler vermitteln. Zum Beispiel an Journalisten, die über Stammzellen, transgene Mäuse oder Alternativen zu Tierversuchen berichten wollen. Diese Experten können auch Vorträge in Institutionen halten oder in Schulen über das Thema informieren.

Wen wollen Sie hauptsächlich informieren?

Das Projekt richtet sich an die breite Öffentlichkeit und sollte für jeden zugänglich sein. Deshalb sind die Informationen kurz und verständlich dargestellt. Natürlich gibt es auch umfangreichere Zusammenstellungen, für diejenigen, die sich spezifisch über ein Thema informieren wollen. Zum Beispiel für Schüler, die ein Referat halten müssen oder Lehrer, die Unterrichtsmaterial suchen. Auch die Politik und Journalisten wollen wir mit der Initiative ansprechen.

Welche Reaktionen erwarten Sie?

Wenn man über ein emotionales Thema spricht, wird es auch zu emotionalen Reaktionen kommen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch unsachliche Kommentare geben wird, aber das ist ja kein Grund, nicht zu kommunizieren.

Wer betreut die Webseite?

Das Rückgrat bildet die sogenannte Steuerungsgruppe, in der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Kommunikationsexperten aus den Allianz-Instituten sitzen. Sie übernehmen die wissenschaftliche Qualitätssicherung der Informationen. Die technische Umsetzung erfolgt durch eine Agentur.

Wer hat diese Initiative ins Leben gerufen?

Ein erster Vorschlag für ein gemeinsames Projekt kam 2011 von der Leibniz-Gemeinschaft. Die Allianz der zehn Wissenschaftsorganisationen in Deutschland hat diese Anregung aufgenommen, vorbereitet und koordiniert das Projekt nun.

Wie lange soll die Initiative laufen?

Zunächst ist das Projekt auf fünf Jahre angelegt. Ich persönlich glaube aber nicht, dass eine Informationsinitiative zu Tierversuchen nach fünf Jahren nicht mehr notwendig ist.

Thomas Steuer/DPZ

Zur Person

Stefan Treue ist Direktor des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) und Präsidiumsbeauftragter für Tierschutzfragen der Leibniz-Gemeinschaft. Er ist Vorsitzender der Steuerungsgruppe der Initiative „Tierversuche verstehen“.

Mehr erfahren

Website: www.tierversuche-verstehen.de

Twitter: https://twitter.com/TVVde

Youtube: https://www.youtube.com/channel/UC31eML9pdF-i7pSPcv7NgXw

Videoreihe "Über Tierversuche sprechen"

Hintergrund

Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen ist ein Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschafts- und Forschungsorganisationen in Deutschland. Sie nimmt regelmäßig zu Fragen der Wissenschaftspolitik, Forschungsförderung und strukturellen Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems Stellung. Mitglieder der Allianz sind die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), die Helmholtz-Gemeinschaft (HGF), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Leibniz-Gemeinschaft (WGL), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und der Wissenschaftsrat (WR).

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